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Schwanger im Advent oder warum ich dieses Jahr keine Plätzchen backe

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Momentchenmal ihr Lieben,

jetzt ist er endlich da! Der 1. Advent ist gefeiert, das erste Kerzlein angezündet und das erste Türchen des Adventskalenders ist aufgemacht. Der Dezember ist gekommen! Und mit ihm die Vorfreude auf Weihnachten, der Trubel des Jahresendes und der Countdown für den kleinen neuen Menschen, der momentan noch fleißig in mir heranwächst.

Für mich – eigentlich – nach dem Herbst die schönste Zeit des Jahres. Weihnachtsstress und Geschenkepanik sind für mich Fremdwörter. Ich freue mich auch heute noch genauso sehr wie vor 29 Jahren auf das wundervolle Fest und genieße jede kleine Tradition, die das legendäre Warten auf Weihnachten begleitet. Fehlen dürfen dabei natürlich weder die adäquate Gestaltung der Weihnachtsdeko, das Basteln von Adventskalendern und selbstverständlich auch nicht das Plätzchenbacken.

Wieso ist dieses Jahr also alles anders? Die Weihnachtsdeko werde ich (bis auf den Adventskranz) wohl erst in der neuen Wohnung auspacken, in die wir Mitte des Monats noch umziehen werden. Daher sieht es bei uns derzeit noch nicht wirklich weihnachtlich aus und ich kann euch auch noch keine hübschen DIY Ideen vorstellen, obwohl sich in meinem Kopf (und auf Pinterest) schon ganz viele tolle Ideen häufen. Aber nicht nur die Weihnachtsdeko fehlt bisher. Auch einen selbstgebastelten Adventskalender oder die Plätzchen fehlen dieses Jahr. Und das hat etwas mit einer Diagnose zu tun, die ich vor ein paar Wochen von meiner Frauenärztin erhalten habe: Verdacht auf Schwangerschaftsdiabetes!

Ich gebe zu, zunächst war ich etwas entsetzt: Diabetes??? Was hat das jetzt mit Schwangersein zu tun? Ok, ich esse gern mal Kuchen oder Schokolade, aber selbst als Schwangere bin ich von all den typischen Fressanfällen bisher verschont geblieben. Die zweite Raktion war dann schon eine etwas selbstsüchtigere: Was zum Teufel bleibt einem eigentlich noch, wenn man weder Alkohol, noch leckere Aioli, noch Salami oder rohen Schinken noch Zucker essen darf??? Nachdem beide Reaktion Zeit hatten sich etwas zu setzen, kam natürlich die Vernunft zurück: Natürlich mache ich alles, damit es dem kleinen Wesen in meinem Bauch weiterhin gut geht. Auch wenn das bedeutet in der Weihnachtszeit sich konsequent von allen Naschereien fernzuhalten. Als fleißiger Instagramer fällt das übrigens doppelt schwer. Wenn man immer wieder sieht, welche tollen Rezepte die Bloggerkollegen ausprobieren und wer wann mal wieder eine schöne Tasse heiße Schoki getrunken hat. Für mich gehört das einfach zum Wohlfühlen dazu. Aber gut.

Für diejenigen von euch, die wie ich sich jetzt kurz am Kopf kratzen und fragen, Schwangerschaftsdiabetes was ist das eigentlich, hier ein kleiner Exkurs:

Damit wir Menschen den aufgenommenen Zucker (Vorsicht auch Fett wird im Körper zu Zucker) verarbeiten können, schüttet unser Köprer das Hormon Insulin aus. Diese Ausschüttung wird über den Blutzuckerspiegel gesteuert. Der Blutzuckerspiegel steigt bei allen Menschen nach jeder Mahlzeit an. Besonders erhöht wird er durch Kohlenhydrate also Brot, Nudeln, Reis, Gebäck, Kartoffeln und natürlich Zucker wie Marmelade, Honig, Süßigkeiten, Kuchen etc. Die Bauchspeicheldrüse bildet nun dieses Insulin und soll den aufgenommenen Zucker in die Zellen des Körpers transportieren, damit wir Energie gewinnen und so der Zuckerspiegel im Körper reguliert wird. Wenn der Körper zu wenig Insulin produziert oder das Insulin nicht richtig arbeiten kann, hat man Diabetes (meistens Typ 2). In der Schwangerschaft ist der Hormonhaushalt der Schwangeren natürlich ziemlich durcheinander und der Körper benötigt tendenziell mehr Insulin. Wenn der Körper diesen Mehrbedarf aber nicht decken kann, steigt der Blutzuckerspiegel der Schwangeren an und sie hat eine sogenannte Gestations- oder Schwangreschaftsdiabetes. In der Regel verschwindet diese jedoch nach der Schwangerschaft wieder, da der Körper dann wieder weniger Insulin benötigt.

Wer ist für Schwangerschaftsdiabetes gefährdet:

  • Schwangere über 30
  • Schwangere, die vor der Schwangerschaft übergewichtig waren
  • Wenn Diabetes Typ 2 bereits in der Familie vorkommt
  • In der Schwangerschaft schon öfter Zucker im urin nachgewiesen wurde
  • Schon einmal Gestationsdiabetes da war
  • bei vorherigen Geburten ein Kind über 4,5 kg geboren wurde.

Wer ist überhaupt betroffen:

Die Statistiken sind da etwas ungenau. Man findet Zahlen, die belegen, dass ziwschen  2 und 14 Prozent aller Schwangeren an Gestationsdiabetes leiden. Nur etwa 20 Prozent dieser Betroffenen haben eine so ausgeprägte Diabetes, dass sie Insulin spritzen müssen. Ein Großteil der Betroffenen kann den Blutzuckerspiegel mit einer Ernähungsumstellung regulieren. Fest steht, dass seit 2002 die Fälle weiterhin zunehmen. Medizinische Studien vermuten den Grund in einer erhöhten Tendenz zum Übergewicht. Ich bin mir mittlerweile aber auch nicht mehr so sicher, ob nicht auch vermeintliche von Diabetes betroffene Schwangere die Statistik verschlechtern. Dazu aber nachher mehr.

Wie wird Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert:

Um die 24. SSW herum wird ein Routinetest durchgeführt. Hierzu trinkt die Schwangere 50 g in Wasser aufgelösten Traubenzucker (bäh!) und der Blutzuckerwert wird eine Stunde nach Einnahme kontrolliert. Ist der Wert auffällig, wird ein Belastungstest durchgeführt. Hierfür wird nüchtern Blut abgenommen, dann trinkt man 75 g in Wasser aufgelösten Traubenzucker (bähbähbä!) und bekommt erneut nach einer und dann nochmal nach einer weiteren Stunde Blut abgenommen. Keine Diabetes liegt vor, wenn die Werte unter folgenden Grenzwerten liegen:

  • 1. Wert: > oder = 90 mg/dl
  • 2. Wert: > oder = 180 mg/dl
  • 3. Wert: > oder = 155 mg/dl

Eine Diabetesdiagnose liegt vor, wenn einer der Werte überschritten wurden.

Wie wird behandelt:

Zunächst einmal wird man zu einem Diabetologen überwiesen. Dort erhält man ein Blutzuckermessgerät, mit dem man nach Anweisung des Arztes seinen Blutzucker messen muss. Hierzu piekst man sich mit der beiligenden Nadel in den Finger und testet mit Hilfe des Geräts anhand eine Tröpfchen Blutes den Blutzucker. Die Werte werden in einem Tagebuch festgehalten.

Zeitgleich erfolgt eine Ernährungsumstellung. Weißmehl und Zucker wird gestrichen. Nudeln werden durch Vollkornnudeln ersetzt, Reis durch Vollkornreis, Weißbrötchen durch Vollkornbrötchen und Süßigkeiten bzw. Knabberkram wird gestrichen. Genauso auch zuckerhaltige Getränke. Je nachdem wie stark die Diabetes ist, muss man auch bei Obst aufpassen. Generell vermeiden sollte man Bananen und Trauben bzw. alles Obst mit erhöhten Fruchtzucker. Äpfel und Organgen gehen beispielsweise ganz gut.

Außerdem hilft leichte Bewegung, um den Blutzuckerspiegel zu senken.

Sollte all das nicht maßgeblich helfen, muss Insulin zugeführt werden. Das geht in der Schwangerschaft ausschließlich über die Spritze.

Was sind mögliche Auswirkungen der Diabetes:

Zunächst einmal werden Kinder von nicht behandelten Schwangeren mit Diabetes unverhältnismäßig groß und sind aber gleichzeitig nicht reif. D.h. zum Beispiel, dass die Lunge noch nicht gut genug arbeitet. Dazu kann es sein, dass die Schwangere durch den vermehrten Zucker auch mehr Fruchtwasser bildet, das einen großen Druck auf die Gebährmutter ausübt und eine Frühgeburt wahrscheinlicher macht. Auch das Risiko für eine Schwangerschaftsvergiftung steigt. Also alles Dinge, die man dem kleinen Menschlein nicht wirklich zumuten möchte.

Wie lief nun die Diagnose ab:

Zunächst mal erfülle ich keine der „Kriterien“. Mein erster Blutzuckertest war dennoch erhöht. Das hat mich allerdings auch nicht wirklich gewundert, denn ich wusste nicht, dass der Test gemacht wurde und hatte kurz vorher ein sehr leckeres Brötchen mit dick Nutella gefrühstückt. Dann kam der Belastungstest. Hier wurd ein erhöhter Nüchternwert (1. Wert) festgestellt. Allerdings hieß erhöht auch „nur“ 93 anstatt 90. Die anderen beiden Werte waren vollkommen in Ordnung. Da das Baby vollkommen normal entwickelt war meinte die Ärztin dann auch zunächst, wir sollten da jetzt kein Fass aufmachen (Puh Glück gehabt!). Bei der nächsten Kontrolluntersuchung wurde festgestellt, dass „reichlich“ Fruchtwasser vorhanden sei. Das in Kombination mit dem erhöhten Blutzuckerwert lies die Ärztin etwas nervös werden, sodass ich schlussendlich doch zur Diabetologin musste. Mit Messgerät ausgerüstet, bekam ich den Auftrag eine Woche lang fünf Mal/Tag meinen Zucker zu messen. Und zwar nach dem Aufstehen, zwei Stunden nach dem Frühstück, vor dem Abendessen, zwei Stunden nach dem Abendessen und vor dem Schlafengehen. Ich hielt mich also brav an die Ernährungsvorgaben und hatte innerhalb der ersten Woche nur 2 Werte, die etwas über den Grenzwerten lagen. Achso maximale Zielwerte sind: nüchtern 90, 2 Stunden nach dem Essen 120 und ebenso vor dem Schlafengehen. Die Messerei wird mich bis zum Ende der Schwangerschaft begleiten. Ebenso eine engmaschigere Kontrolle und ggf. sogar eine frühere Einleitung wenn der kleine Mann sich entscheidet, nicht an seinem ausgerechneten Geburtstag zu kommen. Etwas erschreckt hat mich zunächst eine Gewichtsabnahme in dem Schwangerschaftsdrittel, in dem man eigentlich am meisten zunehmen sollte. Ganz neu war für mich die Aussage, dass das gar nicht schlimm sei. Ich dachte immer Schwanger und abnehmen seien zwei sehr konträre Dinge. Aber gut.

Für mich war die Ernährungsumstellung im Großen und Ganzen keine wirkliche Umstellung, da ich mich – jetzt mal vom Kuchen und Süßigkeiten Thema abgesehen – auch vorher schon sehr bewusst und „vollkornhaltig“ ernährt habe. Da gibt es sicherlich viele Schwangere, die sich deutlich schlechter ernähren. Dennoch bleibt dieses etwas nagende Schuldgefühl, wenn ich dann doch dem Stückchen Schokolade mal nicht widerstehen konnte. Da ist das Kind noch nicht auf der Welt und ich bin schon eine schlechte Mutter? Und das obwohl meine Werte ja eigentlich gut sind? Ob das alles den Stress, den sich die Schwangere damit macht, wert ist? Das lässt einen schon nachdenklich werden und dieses System der Schwangerschaftsbetreuung mal kritisch überdenken.

Natürlich werde ich mich weiter an die Ernährungsvorgaben (mit dem ein oder anderen Ausrutscher – schließlich ist auch Mutter nur ein Mensch ;-)) halten und ich habe es ja auch bald „geschafft“. Und auch wenn die restliche Advents- und Weihnachtszeit wirklich nicht einfach werden wird für ein bekennendes Schleckermäulchen wie mich, eines werde ich aus der Zeit auf jeden Fall mitnehmen: Alles dafür zu tun, nicht irgendwann einmal an „echter“ Diabetes zu erkranken, die man ein Leben lang nicht mehr los wird.

Alles Liebe,

Rebekka

 

 

 

 

7 Kommentare zu “Schwanger im Advent oder warum ich dieses Jahr keine Plätzchen backe

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